Geburtsbericht

Mittlerweile sind schon zwei Monate vergangen und mir kommt es vor als wäre ich schon eine Ewigkeit Mama. Ich erinnere mich immer wieder gerne an den Geburtsbeginn, die Geburt und den ersten Anblick unserer Tochter Elina zurück. Wir sind sehr dankbar darüber, dass alles komplikationsfrei gelaufen ist und die Maus auf natürlichem Wege ganz ohne Schmerzmittel auf die Welt gekommen ist. Alles ist so verlaufen wie ich mir das in der Schwangerschaft vorgestellt habe. Die Vorbereitungen im dritten Trimester haben sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen, angstfrei und entspannt in die Geburt zu gehen. Vor allem durch Hypnobirthing haben Stefan und ich verschiedene Gebärpostionen, Atem- & Entspannungs-Techniken kennengelernt und konnten uns so gemeinsam, als Team auf die Geburt vorbereiten, denn eins weiß ich heute: Ausdauer und Körpergefühl sind zwei wichtige Grundsteine, aber auch von Beginn an angstfrei in die Geburt hineinzugehen trägt dazu bei, dass sich der Körper fallen lässt, die Muskeln entspannen und die Geburt schmerzfrei wie von ganz alleine läuft. Eine Portion Grundvertrauen in seinen eigenen Körper und in sein Baby sind auch schon viel Wert, denn die Geburt läuft nur in Zusammenarbeit mit Deinem Baby.


Die Eröffnungsphase


05.00 Uhr

Die ganze Schwangerschaft über hatte ich keine Übungswehen und hatte mich an dem Morgen als es um ca. 05.00 Uhr losging total gefreut endlich mal alle Atemtechniken auszuprobieren und zu schauen welche Technik am besten zu mir passen könnte. Ich wurde durch körperliche Unruhe ständig aufgeweckt und musste innerhalb einer Stunde 3-4 Mal auf Klo, weil ich einen unfassbar großen Druck im Becken verspürte. Entweder habe ich gepinkelt, hatte Durchfall oder musste einfach nur pupsen. Liegen konnte ich dann auch nicht mehr und hatte mich dann bei jedem Ziehen im Leisten- bzw. Rückenbereich aufgestellt, das Ziehen veratmet und mein Becken gekreist. Das Ziehen könnt ihr euch wie "Periodenschmerz" vorstellen. So würde ich eine Wehe beschreiben.

Dann habe ich versucht mich nochmal hinzulegen und zu schlafen, doch das Ziehen kam immer wieder im Liegen. Ein Gegendruck am Steißbein während einer Vorwehe war dann erträglicher. Im Liegen habe ich dann angefangen jede Vorwehe weiter zu veratmen und zu dösen, denn ich wusste, dass wenn es heute losgehen würde, ich enorm viel Kraft benötigen würde und ich diese Kraft durch Ruhe unbedingt jetzt reinholen musste, denn ich bin absolut kein Frühaufsteher und die Nächte im dritten Trimester waren auch nicht sonderlich erholsam.


13.45 Uhr

Und wieder verspürte ich einen enormen Druck nach unten und musste während des Mittagsessens immer mal wieder aufstehen und mich auf das neue Körpergefühl einlassen.


15.40 Uhr

Nach dem Mittag wollte ich unbedingt noch eine Runde mit Stefan und Ayla im Wald drehen, denn Spaziergänge unter der Schwangerschaft und unter der Geburt tragen dazu bei den Geburtsvorgang zu beschleunigen. Während des ein stündigen Spaziergangs habe ich zwei Mal den gleichen Druck nach unten verspürt und habe bei jedem Druck angehalten und mich auf die Wehe konzentriert und diese veratmet. Das Laufen ist mir zu dem Zeitpunkt sehr schwer gefallen, dennoch tat es unfassbar gut, denn jeder Schritt hat dazu beigetragen, dass das Köpfchen sich noch tiefer im Becken positioniert hat und sich der Muttermund öffnet.

17.22 Uhr

Über den Tag habe ich euch noch seelenruhig in der Story mitgenommen und voller Tatendrang gezeigt wie Stefan den Kleiderschrank im Kinderzimmer aufgebaut hat, allerdings ist er an dem Tag nicht fertig geworden, denn genau um 21.00 Uhr ging die Geburt los.


Auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt nicht ganz glauben konnte, dass die Geburt heute losgehen würde habe ich mein Geburtskleid und meine dicken Socken angezogen. Ich wollte mich wohlfühlen unter der Geburt und bereit sein. Die Kliniktasche hatte ich paar Tage zuvor gepackt.


Die Geburt

Ayla mein Ruhepol

21.00 Uhr

Alle 8 bis 10 Minuten habe ich regelmäßige und vor allem auch stärkere Wehen bekommen und habe zu diesem Zeitpunkt Stefans Nähe gebraucht. Bei gedämpften Licht wollte ich in unserem Bett bei jeder Wehenpause entspannen und mich etwas ausruhen, doch das hat zunächst nicht ganz funktioniert. Immer wieder wurde ich von einer Wehe dazu verleitet in den Vierfüßlerstand zu gehen und die Wehen zu veratmen. Zu diesem Zeitpunkt schon eine unfassbar anstrengende Körperarbeit, aber ich hatte immer im Hinterkopf, dass es gerade mal der Anfang ist und es noch anstrengender werden könnte. Auch wenn mich die Wehen in den Vierfüßlerstand gezwungen haben, wollte ich es auch unbedingt im Liegen ausprobieren, denn nur so habe ich unter der Geburt die Möglichkeit gehabt in den Wehenpausen zu entspannen. Auch wenn es nur einige Minuten gewesen sind, es waren unfassbar wertvolle Minuten zu regenerieren und Kraft für die nächste Wehe zu sammeln.


23.00 Uhr

Unter den Wehen hatte ich immer das Bedürfnis etwas anderes auszuprobieren. Entweder wollte ich den Raum wechseln oder eine neue Gebärposition einnehmen. Im Wohnzimmer auf der Couch konnte ich dann neben Ayla und Stevie und zu Meditationssounds, die wir über den Fernseher laufen gelassen haben besser entspannen und fallen lassen. Bei einigen Wehen hatte Stefan gegen meinen unteren Rücken gedrückt um mir so die Wehe zu erleichtern, mal hat er mich gestreichelt, mal aber auch selber ein Positionswechsel angeboten. So langsam hatten Stefan und ich auch den Dreh raus und wurden lockerer in der Zusammenarbeit. Zu diesem Zeitpunkt habe ich auch angefangen nach jeder Wehe in der Entspannung ganz unkontrolliert am ganzen Körper zu zittern. Das Zittern hat mein Körper bewusst eingesetzt um jede einzelnen Muskel zu lockern und zu entspannen. Eine ganz normale Körperreaktion, die mich bis zum Ende der Geburt begleitet hat. Nach einem erneuten Positionswechsel wollte ich mich wieder hinlegen um zu entspannen und hab dann gemerkt, dass die Wehen so stark wurden, dass es bis zur Austreibungsphase nicht mehr lange sein konnte. Stefan hat nur gegrinst, sich total auf das Ereignis gefreut und die Sachen schnell ins Auto gepackt.


"Ich find das so schön. Auch wenn die Wehen für Dich nicht so angenehm sind, aber ich find das gerade so schön, dass wir das gemeinsam erleben."

02.00 Uhr

Im Krankenhaus angekommen haben mich die Wehen zum ersten Mal an der Forte zu Boden gerissen. Ich bin durch das Ein- & Aussteigen, den Gang zum Krankenhaus völlig aus der Konzentration gekommen und konnte mich erst beim CTG gemeinsam mit der Hebamme fangen.


,,Durch die Nase ein und durch den Mund wieder ausatmen."

Die Herztöne waren bis zum Ende der Geburt durchweg konstant und unserer Tochter ging es zu jedem Zeitpunkt gut. Ich fand es ja beim Frauenarzt schon immer toll nach den Herztönen unserer Tochter zu lauschen, aber unter der Geburt war es noch schöner und vor allem hat es mir die nötige Kraft und Ausdauer geschenkt. Nach dem CTG sind wir in den Kreissaal gelaufen. Die ganze Zeit über hatte ich meine Augen geschlossen um so wenig wie möglich an Außenreizen wahrzunehmen und in meiner Konzentration zu bleiben. Auch hatte ich in der ganzen Zeit das Bedürfnis "kacken" zu wollen und hatte dann nach jedem Toilettengang Durchfall außer im Kreissaal. Zwar hatte ich das Bedürfnis, aber es ist nichts rausgekommen, außer ein wenig Blut in der Unterhose. Ein Zeichen, dass sich der Muttermund geöffnet hat. Aus der Toilette im Kreissaal bin ich zu Boden "gefallen" und wollte auf der Stelle einfach weiter meine Wehen ausatmen. In dem Moment war mir alles egal, trotzdem musste die Hebamme nach dem Muttermund schauen und hat glücklicherweise festgestellt, dass sich der Muttermund bereits 8 cm geöffnet hatte. Nicht mehr lang und die Austreibungsphase konnte beginnen!


Die Austreibungsphase


04.45 Uhr

Dann war es soweit! Der Muttermund hat sich vollständig geöffnet und die Austreibungsphase hat begonnen. "Christine, hast Du das Gefühl Du musst kacken?" fragte meine Hebamme. ,,Ja!", antwortete ich. ,,Dann tu so als wenn Du kacken musst!", sagte die Hebamme. Und genauso hat sich die Austreibungsphase für mich angefühlt. Die Stunden davor hat Stefan vor mir gestanden und meine beiden Hände gehalten und war jede Sekunde da. Eigentlich habe ich mir immer eine Wassergeburt vorgestellt, gelandet aber bin ich auf dem Kreissaalbett. Ich hab auf viel "heckmeck" verzichtet und wollte einfach fertig werden, denn auch meine Energie ging so langsam an die Grenzen. Trotzdem habe ich zu keiner Zeit gedacht aufzugeben. Es ist unglaublich was der Frauenkörper da leistet und wir können alle unglaublich stolz auf uns sein, egal ob am Ende eine normale Geburt, mit oder ohne Schmerzmittel oder ein Kaiserschnitt geworden ist, denn wir haben alle 9 Monate ein Baby getragen und unser Körper hat auch schon da unglaubliche Arbeit gemacht. Die Austreibungsphase war eine ganz besondere und intensive Erfahrung für mich, denn hier habe ich erst richtig gemerkt wie gut ich meinen Körper steuern kann. Definitiv kann man sich auf seinen Körper verlassen, dass er das schon macht, trotzdem hat hier eine Zusammenarbeit mit dem Baby und dem Körpergefühl eine große Rolle für mich gespielt.


,,Unglaublich, was die Frau für ein Körpergefühl hat!"

Die Austreibungswehen haben sich ganz anders angefühlt als die Eröffnungswehen. Von einem Ziehen im Unterleib ist es geradezu zu wellenartigen Bewegungen übergegangen. Es hat sich die ganze Zeit über angefühlt als würde ich auf einer Welle reiten, als läge Elina in einem Wasserbett. Von Wehe zu Wehe habe ich gefühlt wie das Köpfchen weiter durch die Scheide geht und sich die Scheide ausweitet. So furchtbar es auch vielleicht für den einen klingen mag, dennoch hat es sich für mich schmerzfrei angefühlt. Meine Hebamme hatte mir zuvor Schmerzmittel angeboten, dennoch habe ich voll darauf verzichtet. Es war für mich einfach nicht nötig. Großen Respekt aber hatte ich trotzdem vor dem Kopf und hab mir die Zeit genommen, die ich brauchte. Mal habe ich Elina wieder "eingesaugt" und mal wieder "rausgedrückt. Erst als ich bereit war bzw. ich das Gefühl hatte, dass sich meine Scheide langsam, aber behutsam geweitet hatte ohne das etwas da unten reißen könnte, habe ich wieder die Wehe mit der Atmung richtig genutzt um Elina weiter zu schieben. Und das immer wieder! So wie es gerade für mich gepasst hat. Meine Position im Vierfüßlerstand habe ich zu keiner Zeit mehr gewechselt, außer in der Zeit wo ich Kraft und Energie tanken musste, habe ich mich hingelegt um mich etwas auszuruhen. Hier haben dann auch zu einem Zeitpunkt die Wehentätigkeit nachgelassen und ich wusste auch genau wieso, weil ich mich fallen gelassen habe und abgeschaltet hab. Schön fande ich auch wie die Hebamme mit jedem "Meilenstein" mir Mut zugesprochen hat. ,,Ich spür schon das Köpfchen!", ,,Ich fühle die Haare!", ,,Oh, sie hat so viele Haare!", ,,Sie hat ein so zartes Gesicht!" Es war so ein beeindruckendes Gefühl zu spüren, dass unsere Tochter bald da ist. Mit den Presswehen hat sich auch die Atmung verändert, wie genau, kann ich gar nicht mehr beschreiben, aber die Hebamme stand mir immer zur Seite und hat mich angeleitet. Ein paar Wehen steckte Elina mit ihrem Kopf noch aus der Scheide raus bis ich alle Kraft zusammen gesammelt habe und zu Elina noch ein letztes Mal gesprochen habe ,,Gleich haben wir es geschafft, gleich sehen wir uns!" und dann war sie auch schon da. Von hinten , durch meine Beine durch hat mir die Hebamme Elina gezeigt, ein Schrei. Ich musste mich für einen kurzen Moment sammeln, musste mein Muskelzittern erstmal abschütteln und konnte dann meine Tochter zum ersten Mal in Empfang nehmen.


,,Oh, mein Engel! Wir haben es geschafft!"


Die Nachgeburt

Da war sie! Mit einem kurzen Schrei kam unsere Tochter Elina auf die Welt. Die erste Stunden gemeinsam als Familie waren magisch. Wir waren so glücklich, erleichtert, aber auch müde und erschöpft. Alles war plötzlich neu und anders. Wir haben einfach einen Menschen erschaffen!

Dennoch musste ich kurz danach mit der nächsten Nachwehe die Plazenta gebären. Die Nachgeburt wurde sofort auf ihre Vollständigkeit geprüft um sicherzustellen, dass kein Teil in der Gebärmutter zurückgeblieben ist. Dann wurde ich auf Geburtsverletzungen geprüft. Die Geburtsverletzung war bei mir nicht die Rede Wert, dennoch hat sich der Arzt dafür entschieden einen Stich zu nähen. Danach wurde ich gewaschen und meine blutverschmierten Socken wurden in die Tonne geschmissen. Die ganze Zeit über hatten wir im Kreissaal eine super entspannte Atmosphäre, keiner hat uns Druck gemacht oder es wurde Stress vermittelt. Wir hatten aber auch richtig Glück, dass wir die Einzigen an diesem Tag gewesen sind. All das mussten wir in den nächsten Tagen und noch Wochen verarbeiten, uns aber auch von der Geburt erholen. Gute 2 Tage lag ich im Krankenhaus Ahaus, dann aber habe ich das Wochenbett zu Hause mit meiner eigenen Familie genossen.